Turkmenistan: Fünftägiger Transitaufenthalt

Turkmenistan ist eines der geschlossensten Länder und gehört zu den am autoritärsten regierten Staaten der Welt. Die Visumssituation ist nicht ganz einfach. Das Touristenvisum ist sehr teuer und erfordert für die komplette Reisezeit die Begleitung eines Guides, Transitvisa wurden in der Vergangenheit immer wieder abgelehnt. Seit dem letzten Jahr hat sich die Situation aber anscheinend etwas entspannt und so wurde auch mir ein fünftägiger Transitaufenthalt gestattet. Ich hatte das Visum in Teheran beantragt und sechs Wochen später in Maschhad abholen können. Das Ein- und Ausreisedatum sowie die Grenzübergänge sind darauf vermerkt.

Im iranischen Grenzort Sarakhs übernachtete ich in einem Hotel und machte mich um 8.30 Uhr auf den Weg zur Grenze. Ich ging davon aus, dass die Abwicklung auf iranischer Seite ziemlich zügig von Statten gehen würde, wurde aber eines Besseren belehrt. Eine Beamtin durchsuchte meine Taschen, fast alles wurde aus ihnen herausgezogen, zusammenpacken durfte ich natürlich alleine. Am Schalter gab ich meinen Reisepass ab, ich erwartete, dass dieser kurz gestempelt werden würde und ich den Iran verlassen könnte. Stattdessen bat man mich, mich zu setzten und zu warten. Mir wurden Fragen gestellt, wo und wie lange ich war, was mein Eindruck vom Iran war, ob ich eine Sim-Karte hätte. Andere Grenzübergänger, die nach mir die Gepäckkontrolle passiert hatten, hatten das Gebäude inzwischen schon verlassen. Mir wurde die Warterei langsam zu blöd. Ich fragte nach, wurde von einem jungen Kerl zum Büro des Zuständigen geleitet und von diesem mit einem forschen „Sit down, we check passport!“ zurück in die Wartehalle geschickt. Nach insgesamt eineinhalb Stunden bekam ich endlich meinen Pass zurück, der Beamte entschuldigte sich bei mir.
Auf turkmenischer Seite gab es zu Beginn einen Besuch beim Doktor, welcher knapp eine Minute dauerte. Ein Temperaturmessgerät wurde mir an die Stirn gehalten und nach meinem Befinden gefragt („Hallo, alles ok? – „Ja.“ – „Sie fühlen sich gut?“ – „Ja.“). Danach ging es zur Bank (an der Grenze wurde nochmals eine Gebühr von 14 $ fällig), der Pass wurde gestempelt und das Gepäck durchleuchtet. Meine Medikamente musste ich aus der Tasche holen und wurden genauestens durchschaut. Mir wurden Fragen zu meiner Person, Geld und Route gestellt, sie versicherten sich, dass ich eine Karte besaß und verstanden hatte, dass ich nur fünf Tage Zeit hatte. Ich rollte der letzten Kontrolle entgegen, zeigte zum elften Mal auf turkmenischer Seite meinen Pass und strampelte los. Insgesamt verbrachte ich drei Stunden an der Grenze.
Aufgrund der kurzen Visumsdauer von fünf Tagen wählen Fahrradfahrer üblicherweise die mit knapp 500 Kilometern kürzeste Strecke im Osten durch das Land. Aufwendige Routenplanung fand nicht statt, war die Richtung klar und führt nur eine Straße in Richtung Usbekistan. Nur zu Beginn hat man die Wahl: die Hauptstraße parallel der iranischen Grenze oder die 30 Kilometer kürzere Strecke mit schlechterem Bodenbelag. Ich entschied mich für die Abkürzung, die Straße war insgesamt in Ordnung, hatte ich einen schlechteren Zustand erwartet. Anfangs noch viel Asphalt, später Schotter und riesige Löcher, da kam ich definitiv langsamer voran und wurde auch gut durchgeschüttelt. Da es auf diesem Abschnitt keinerlei Dörfer gab, musste ich am Abend so lange radeln bis ich den ersten Markt auffand. Aufgrund der heißen Temperaturen (35°C+) trank ich tagsüber über fünf Liter und hatte nicht mehr ausreichend Wasser um zu kochen.

Am nächsten Morgen erreichte ich die Hauptstraße, viel Spannendes passierte hier nicht. Die ersten drei Tage saß ich die meiste Zeit auf dem Rad um einen Großteil der Strecke zurückzulegen, so dass ich genug Puffer hatte für mögliche Pannen oder Gegenwind. Die Menschen waren sehr interessiert, die Polizisten grüßten stets freundlich, ich fand es Schade nur so wenig Zeit im Land verbringen zu können. Zur Mittagszeit kam ich in Mary an und machte Pause in einem Restaurant um der Hitze aus dem Weg zu gehen. 20 Kilometer hinter der Stadt begann der verlassenste Abschnitt der Strecke. 200 Kilometer durch die Wüste bis zur nächsten Stadt Türkmenabat. Alle 30 bis 60 Kilometer waren Cafés oder Restaurants am Straßenrand zu sehen.

Am Abend von Tag 2 und 3 war ich schlagartig kraftlos und erschöpft und bog von der Straße ab bevor ich meine eigentlichen Tagesziele erreicht hatte. In den ersten drei Tagen legte ich 370 Kilometer zurück, so konnte ich es die nächsten zwei Tage langsamer angehen lassen. So war es ganz nett, dass ich am Morgen von Tag 4 einen Schweizer bei seiner Frühstückspause in einem Café traf. Er war allerdings in die Gegenrichtung unterwegs, wenig später tauchte aber noch Benoît auf, ebenfalls Schweizer, mit dem ich die Fahrt in Richtung Usbekistan zusammen fortsetzte. Wenig später trafen wir den ersten und einzigen Radreisenden Turkmenistans. Er fuhr schon zwei Touren in seinem Heimatland und war nun in Richtung Istanbul unterwegs.

Wir erreichten Türkmenabat, machten zwei Essensstopps in Restaurants und begaben uns am Abend zum Stadtstrand, der an einem Seitenarm eines Flusses zu finden war. Nach vier Tagen in der Hitze war es herrlich sich den Schweiß von der Haut und das Salz aus dem T-Shirt zu waschen. Gegen eine kleine Spende durften wir unsere Zelte auf dem Gelände aufschlagen.

Bei Regen und zwischenzeitig monsunartigen Niederschlägen fuhren Benoît und ich die letzten 30 Kilometer bis zur Grenze. Innerhalb einer Stunde waren Formulare ausgefüllt und Pässe gestempelt und wir rollten nach Usbekistan ein.
Trotz der teils enormen Hitze, der vielen Fahrerei und den ruppigen Straßen hatte mir die Durchquerung auch Spaß bereitet. Ich hatte definitiv schon schlechtere Tage auf Tour.

Iran: Durch die Wüste nach Yazd und Maschhad
Usbekistan: Entlang der Seidenstraße und Zomin Nationalpark

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