Mazedonien und Bulgarien

Meine ersten Kilometer in Mazedonien fuhr ich auf einer kleinen Straße ohne viel Verkehr bis ich Skopje erreichte. Die nächsten drei Nächte verbrachte ich in einem Hostel, bis ins Zentrum waren es zu Fuß nur 10 Minuten und so war ich täglich in der Innenstadt um mir diese anzuschauen oder mir den Bauch mit vielen verschiedenen vegetarischen Leckereien vollzuschlagen. Letzteres nahm deutlich mehr Zeit in Anspruch. Allerdings war es ebenso interessant die Stadt zu erkunden, da es vermutlich nicht viele Orte gibt die Skopje bei dem Verhältnis Statuen pro Fläche übertreffen. Beim Gang durch die Innenstadt ist es schwierig einen Platz zu finden, von dem man keine Statue im Blick hat. Auf den Brücken, die den Fluss Vardar überspannen, sowie an den Ufern reihen sie sich nahtlos aneinander. Viel Geld wurde in die Hand genommen um das Zentrum mit Statuen, Torbogen und Wasserspielen zu verschönern. Viele Gebäude wurden restauriert, so dass diese nun im antiken Stil erscheinen. Dies stößt natürlich nicht nur auf Zustimmung bei den Einwohnern der Hauptstadt, da dieses Geld in einem der ärmsten Länder Europas auch besser investiert werden hätte können. Skopje trägt mittlerweile den inoffiziellen Titel „Stadt der Statuen“, bei vielen Mazedoniern ist es als „Disneyland für Erwachsene“ verschrien.

Diese Thematik beschäftigt das Land zurzeit aber weniger, viel mehr wird über einen möglichen Beitritt zur Nato und in die EU diskutiert beziehungsweise über die Namensänderung des Landes, die zuvor einhergehen müsste. Da sich die Region Mazedonien über mehrere Länder erstreckt, besteht Griechenland, welches die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen per Veto bisher blockiert, darauf, dass das Land den Namen „Republik Nord-Mazedonien“ trägt. Die Meinungen darüber gehen im Land auseinander. Viele sehen die Namensänderung kritisch, aber auch als dringend notwendigen Schritt an, damit sich das Land weiterentwickeln und einen Aufschwung erleben kann. Andere befürchten, dass dadurch die mazedonische Identität und Geschichte verloren geht.

Die Ausfahrt aus Skopje war recht gemütlich, ein kleines Stück konnte ich sogar auf einem Radweg fahren. 70 Kilometer hinter der Hauptstadt wurde es dann wieder etwas spannender, als ich auf einen nicht-asphaltierten Weg geleitet wurde. Schotter, Sand, Erde, Gras wechselten sich als Untergrund ab, teilweise war der Weg nicht mehr auszumachen und so fuhr ich mitten durchs Feld. Auf diesem Abschnitt machte ich auch Bekanntschaft mit einem Hirten, der auf seinem Pferd sitzend seine riesige Herde Schafe im Überblick hatte. Seine drei Hunde hatten mich schon einige Meter vorher mit wildem Bellen begrüßt. Etwas später war ich wieder auf einer asphaltierten Straße unterwegs, hier begleitete mich Valeri auf seinem Rennrad für eineinhalb Stunden bis wir Kočani erreichten. Am nächsten Tag kam ich an der Grenze an. Hier erwartete mich eine längere Schlange und ich reihte mich ein. Als mich zwei mazedonische Grenzbeamte entdeckten winkten sie mich nach vorne, kontrollierten schnell meinen Pass und schickten mich auf die bulgarische Seite, auf der ich allerdings 20 Minuten warten musste. Einen möglichen Grund für die etwas längere Wartezeit war womöglich der Computer, der während meiner Passkontrolle mehrmals neu gestartet werden musste.

Nach den ersten 20 Kilometern in Bulgarien erreichte ich am frühen Abend Blagoevgrad. Ich fuhr schnell in die Stadt um etwas Geld zu wechseln und baute ein paar Kilometer außerhalb neben der Autobahn und einer Bahnlinie mein Zelt auf. Am nächsten Morgen machte ich mich bei 6°C auf den Weg in Richtung Süden. Meine Strecke in Bulgarien führte mich durch ein Tal, an manchen Stellen ist dies so schmal, dass neben einem Fluss und der Bahnlinie nur Platz für eine Straße bleibt. Somit musste ich hin und wieder auf der Autobahn fahren, ich befand mich sozusagen auf dem „Highway to Hellas“. Nach drei kurzen Tagen verabschiedete ich mich von Bulgarien und fuhr mit ordentlich Rückenwind über die Grenze nach Griechenland.

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4 Kommentare zu „Mazedonien und Bulgarien“

  1. Lieber Moritz,
    der Fellbacher Herbst ( dem aktuellen Wetter nach wäre Fellbacher Sommer eher angebracht) findet diesen Jahr ohne dich statt. Du zählst dafür lieber die Statuen in Skopje😃.
    Hab eine gute Zeit in Griechenland. Auch hier wirst du bestimmt viele hilfsbereite Menschen treffen.
    Schöne Grüsse aus dem Liegestuhl in der Maicklerstr.

  2. Hallo Moritz, jetzt habe ich Deine Reiseberichte alle gleich 2 mal gelesen. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich auf die kommenden Berichte. Hut ab vor Deiner Leistung und viel Glück weiterhin.

  3. Hallo Moritz,
    Hier noch einmal Grüße aus Köln mit gaaaanz lieben Glückwünschen zu Deinem Geburtstag.
    Ich habe gerade mit Deiner Mutter telefoniert, weil ich nicht genau wusste, ob Du hier diese Nachrichten erhältst. Sie hat mir ein paar Infos gegeben und ich denke, es klappt nun.
    Deine Reiseerlebnisse verfolge ich gerne und wünsche Dir weiter einen guten weiteren Verlauf.
    Gruß Gaby

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